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Wie genau sind die gemessenen dBA-Werte?
#1
Information 
Wir müssen hier zunächst unterscheiden zwischen 1.) der Grundgenauigkeit des Systems und 2.) Abweichungen, die bei jedem Lärmpegelmesser durch die konkrete Meßsituation/Aufstellung entstehen:

Zu 1.)
Die Mikrophonmodule (MML="Meßmodul Lärm") werden bei uns ohne die kleine Windschutzhaube mit ca. 1,5...2 dB Genauigkeit mit weißem oder rosa Rauschen bei 80dBA Geräuschpegel abgeglichen.
Die nach dem Kalibrieren aufgeklebte Windschutzhaube dürfte eine zu vernachlässigende Dämpfung haben, so daß die Verwendung dieser zu keinen nennenswerten Fehlern führen dürfte.

Die Frequenzgangbewertung nach A-Kurve (oder alternativ: C-Kurve) wird sehr genau eingehalten (Abweichung <0,5dB).

Der Frequenzgang der z.Zt. verwendeten Elektret-Mikrophon-Kapsel sinkt unterhalb von etwa 100Hz und oberhalb von 10kHz deutlich ab. Dies ist aber bei der A-Bewertung ("dBA") praktisch ohne Auswirkung.
Bei 100Hz ist die A-Kurve bereits um 20dB abgesunken, bei 20 Hz um 50dB!
Bei den höchsten Frequenzen (20kHz) beträgt der Abfall der A-Bewertungskurve ca. 10dB.
Damit dürfte der leichte Abfall der Empfindlichkeit der Mikrophon-Kapsel mit dem standardmäßigen A-Filter praktisch keine Auswirkungen auf die gemessenen dBA-Werte haben.
Anders sieht es bei der Sonderanfertigung für die C-Bewertungskurve aus, die insbesondere bei tiefen Frequenzen einen deutlich kleineren Abfall als die A-Kurve besitzt. Hier ist bei hohem Anteil von tieffrequenten Geräuschanteilen ("Bässe") durchaus mit um einige dB zu gering bewerteten dBC-Werten zu rechnen.

Die mit analoger Elektronik im MML realisierte Logarithmierung zur Gewinnung der dBA-Werte aus dem linear verstärkten Mikrophon-Signal zeigte bei Simulation mit einem Schaltungs-Simulationsprogramm keine nennenswerten Abweichungen vom theoretischen Ideal [dB=20xlog(Pegel)].
Ebenso blieben die simulierten Abweichungen bei verschiedenen Temperaturen (-20°C...+40°C) innerhalb von ca. 1,5dB.

Die im MML und dBA-Online-Interface verwendeten Referenz-Spannungsquellen weisen eine Abweichung untereinander von umgerechnet weniger als +/-1dB auf, so daß die Geräte auch untereinander beliebig austauschbar sind, ohne daß man die Grundgenauigkeit bzw. Kalibration verliert.

Da das Meßsignal bereits innerhalb des Mikrophon-Moduls logarithmiert und mit dem A-Bewertungsfilter beaufschlagt wird, ist die Übertragung auch über ein längeres Kabel relativ störunempfindlich. Der Pegel zwischen theoretisch 0dB und Vollausschlag bei ca. 100dB verläuft linear mit dem dB-Wert von 2,5V bis 5V. Trotzdem sollte man natürlich das Kabel zwischen Mikrophon-Modul und dB-Online-Interface nicht gerade parallel zu Stromleitungen führen und so kurz wie möglich halten.

Die vom dB-Online-Interface übertragenen Werte (aktuelle Version 2.3) sind je nach eingestelltem Meßmodus Mittel- oder Spitzenwerte über 1s bzw. 0,6s.
Beim DFLD wird m.W. der Modus1 verwendet, in dem das dB-Online-Interface auch standardmäßig ausgeliefert wird. Sollte dies einmal nicht der Fall, beschreibe ich in einem separaten Psot, wie man den Modus umstellen kann.

Es darf alles in allem mit einer Grundgenauigkeit gerechnet werden, die selbst unter ungünstigen Bedingungen (sehr hohe oder niedrige Außentemperaturen; Geräuschquellen mit sehr viel Hoch- oder Tieftonanteil etc.) bei max. +/-3dB liegt und unter normalen Bedingungen bei +/-2dB liegt.
Eine Garantie hierfür können wir allerdings nicht abgeben, da ansonsten jedes einzelne Mikrophon-Modul für sehr viel Geld amtlich durchgemessen werden müßte, was den Preis des Lärmpaketes unattraktiv machen würde.

2.)
Viel entscheidender für mögliche Abweichungen ist bei der konkreten Meßsituation die Aufstellung bzw. Anbringung des Mikrophonmoduls.
Dieses sollte möglichst frei aufgestellt sein und in Richtung der Hauptlärmquelle (senkrecht bei Fluglärm; horizontal bei Straßen- oder Eisenbahn-Lärmmessung) ausgerichtet sein.

Eine Wand direkt hinter dem Mikrophonmodul kann z.B. zu Reflexionen und damit u.U. zu Überhöhungen oder Auslöschungen bestimmter Frequenzbereiche führen, da das Mikrophonmodul auch rückwärtig eine relativ hohe Empfindlichkeit hat.

Dabei muß man natürlich i.d.R. einen Kompromiss zwischen wettergeschützter Aufstellung und Aufstellung im idealen "Freifeld" eingehen (s. meinen anderen Post bzgl. Wetterfestigkeit)


Ich hoffe, die Ausführungen tragen etwas zur Klarstellung vieler ähnlich lautender Anfragen an uns bei.

Roger
 
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